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Kolping besucht die Gedenkstätte Stalag 326 in Stukenbrock

Der sonnige Frühherbsttag passt nicht zu dem, was wir heute zu sehen und zu hören bekommen. Wir, das sind 14 Jugendliche und Erwachsene, besuchen die Gedenkstätte Stalag 326 in der Senne. Stalag, das steht für Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlager.
Heute befindet sich auf dem Gelände die Polizeischule Stukenbrock. Nur noch eine Baracke mit Bildern und einigen Erinnerungsstücken ist geblieben. Trotzdem folgt wohl niemand der Führung ohne zwischendurch zu schlucken und tief Luft zu holen. Zu eindrücklich sind die Bilder, Texte und Erzählungen.
Wir erfahren, dass jeder dritte sowjetische Kriegsgefangene, der zwischen 1941-45 ins Deutsche Reich kam, dieses Lager durchlief. Als „Russenlager“ diente es vor allem der Bereitstellung von Arbeitskräften für Industrie und Landwirtschaft, bis hinein ins Ruhrgebiet. Großes Interesse daran, dass diese Arbeitskräfte lange und zumindest menschenwürdig lebten, bestand nicht, denn den Augen der Machthaber handelte es sich nicht wirklich um Menschen. Also gab es in ihren Augen keinen Grund, „Tiere“ oder „Untermenschen“ nach den auch damals geltenden Genfer Konventionen human zu behandeln. Wie alle Lügen, die oft genug erzählt werden, fand auch diese Behauptung ihren Weg in die Herzen und Taten zu vieler Menschen.
Die Folgen werden uns noch einmal bei dem anschließenden Besuch des Ehrenfriedhofs sowjetischer Kriegstoter deutlich. 36 Massengräberreihen sind hier angelegt. Jede ist 110 Meter lang. Doch wirklich begreifen lässt sich das Grauen auch hier nicht.
Die Führung lässt auch andere Töne zu. Erinnerungen und Berichte von Menschen, die sich, so gut es ihnen möglich war, mitfühlend verhielten. Ein wenig Verständnis für die Deutschen rings um die Gedenkstätte, die nach dem Krieg alles vergessen wollten. Und die Erkenntnis, dass niemand weiß, wie er sich in der damaligen Zeit verhalten hätte.
Ein schöner, unbeschwerter Ausflug war es nicht. Aber es war ein guter Ausflug.
Weil es wichtig ist, sich zu erinnern.
Weil es wichtig ist, das Erinnerte weiter zu geben.
Weil es wichtig ist, wachsam zu bleiben, damit Ähnliches nicht wieder geschieht.
Weil eine Erkenntnis bleibt: Wer anderen ihr Menschsein abspricht, verliert seine eigene Menschlichkeit.

 

Text: Chr. Kleine